Portal der Gertrud-von-le-Fort-Gesellschaft e. V.

 

o rätselt nimmer_a

Gertrud von le Fort zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Autorinnen christlicher Prägung im vergangenen Jahrhundert. Die Wurzeln ihrer Familienbiographie gehen auf Waldenser aus dem Piemont zurück. Ihre Vorfahren lebten in der Schweiz und in Russland und wurden nach den Nordischen Kriegen in Mecklenburg ansässig. Ihr Vater war als preußischer Offizier u.a. in Minden in Garnison, wo Gertrud am 18.10.1876 geboren wurde. Kindheit und Jugend verbrachte sie in Berlin, Koblenz und Hildesheim.

Gertrud von le Forts Lebensgefühl wurde durch geschichtliche Kontinuität in seltener Fülle und Vielfalt bestimmt. „Denn die le Forts waren eigentlich überall dabeigewesen…“ Ihr Geschichtsbewusstsein umfasste nicht nur das Rationale, für sie war Geschichte in Gemüt und Gefühl verankert, denn in ihren Vorfahren war sie ja auch dabeigewesen. Geschichte ist für sie immer auch lebendige Familienerinnerung-, und gerade diese Art von Vergangenheit bestätigt ihr den Aspekt einer „leiser und dunkler gewordenen Gegenwart“ als bleibenden Wert.

1898 ließ sich die Familie im mecklenburgischen Ludwigslust nieder, und Gertrud von le Fort begann ihre literarische Laufbahn mit Frühwerken, die die Autorin unbefriedigt ließen und später nahezu wieder in Vergessenheit gerieten. 1908 nahm sie ein Studium mit dem einzig möglichen Status einer Gasthörerin in Heidelberg auf und erfuhr geistige Ausweitung und Anregung u.a. aus den Vorlesungen des Theologen und Religionsphilosophen Ernst Troeltsch.

Während des ersten Weltkrieges übersiedelte sie mit ihrer Mutter auf das Familiengut Boek an der Müritz, wo ihr Bruder Stephan nach dem Zusammenbruch und der Abdankung des Kaisers eine kleine Privatarmee von Freischärlern um sich versammelte. 1920 setzte er sich an die Spitze des Kapp-Putsches in Mecklenburg und musste nach dessen Scheitern fliehen. Auch Gertrud von le Fort verließ Mecklenburg und ließ sich in Süddeutschland nieder.

1925 ließ sie sich in die katholische Kirche aufnehmen, nachdem ein Jahr zuvor ihr erstes Hauptwerk, die "Hymnen an die Kirche", erschienen war und ihr rasch einen hohen Bekanntheitsgrad verschafft hatte. Ihm folgte eine Reihe von Romanen, Erzählungen und Essays, die sie in eine Reihe mit den bekanntesten christlichen Schriftstellern wie Reinhold Schneider und Werner Bergengruen stellte. Zu ihren wichtigsten Werken zählen die Romane "Das Schweißtuch der Veronika" und "Der Kranz der Engel", in denen sie sich mit christlicher Freiheit und autoritärem Anspruch auseinandersetzt, was ihr schließlich den Ausschluss aus der Reichsschrifttumskammer einbrachte.

Von besonderer Dichte und Intensität ist ihr nach dem Krieg entstandenes Spätwerk mit wesentlichen Aussagen zu Frieden und Versöhnung vor allem in der Novelle „Die Consolata“ (1947), dem Essay „Unser Weg durch die Nacht“ (1949) und der Erzählung „Das fremde Kind“ (1961). Würdigungen erfuhr sie durch die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes, durch den Großen Literaturpreis des Landes Nordrhein-Westfalen und die Verleihung der Ehrendoktorwürde der theologischen Fakultät der Universität München.
Gertrud von le Fort starb 1971 in Oberstdorf.